Archiv der Kategorie: Inhaltsstoffe

Parabene – wirklich eine Gefahr für die Gesundheit?

Verbraucher werden immer wieder mit dem Begriff Parabene konfrontiert, der in den Medien im Zusammenhang mit Lebensmitteln und vor allem mit Kosmetika diskutiert wird. Parabene werden verdächtigt, in den menschlichen Hormonhaushalt einzugreifen, denn sie ähneln in ihrer Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Sind Kosmetika ohne Parabene tatsächlich die bessere Wahl? Parabene stellen eine Gruppe von Chemikalien dar, die als Konservierungsmittel in vielen Bereichen eingesetzt werden. Sie verhindern, dass z. B. Kosmetikprodukte wie Cremes, Lotionen, Rasierwässer, Deodorants, Sonnenschutzmittel, Seifen und Shampoos vorzeitig verderben, indem sie Bakterien und Pilze abtöten. Aufgrund strenger gesetzlicher Bestimmungen dürfen aber nur bestimmte Parabenarten als Konservierungsmittel eingesetzt werden und auch nur in extrem niedrigen Konzentrationen, Vorschriften, die 2015 noch verschärft wurden. Parabene sind aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung nachweislich sehr wirkungsvoll und gelten gleichzeitig als gut hautverträglich. Sie bergen nach überwiegender Auffassung nur ein geringes Allergiepotential im Vergleich zu anderen Konservierungsmitteln und werden daher seit Jahrzehnten weltweit zur Konservierung empfindlicher Produkte eingesetzt. Doch 2004 kam der Verdacht auf, dass sie vielleicht Krebs auslösen könnten, indem sie, wenn sie durch die Haut aufgenommen werden, den menschlichen Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Seither werden Parabene in den Medien oft pauschal verteufelt, was die Verbraucher verunsichert. Sogar Hersteller von Kosmetika tragen durch Werbeformulierungen wie „frei von Parabenen“ zu dieser Verunsicherung bei. Und manche Ärzte rücken Parabene plötzlich auf die vorderen Ränge in den Allergen-Listen. Ist wirklich etwas dran an diesen Verdächtigungen? 2004 stellte eine vielbeachtete Studie von Darbre et al. eine Verbindung her zwischen parabenhaltigen Deodorants und Brustkrebs. Forscher konnten in Proben von Brusttumoren Parabene nachweisen. Doch dieser Umstand beweist nicht, dass Parabene ursächlich für den Tumor sind: „Allein aufgrund der Tatsache, dass Parabene in Tumorgewebe von Brustkrebskranken enthalten sein könnten, lässt sich unserer Meinung nach noch kein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Stoffen und der Entstehung von Brustkrebs herstellen“, nimmt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hierzu Stellung. Dass Parabene in den Körper aufgenommen werden und eine gewisse hormonelle Aktivität zeigen, ist unbestritten. Sie können aber auch oral zugeführt werden, z. B. über die Nahrung oder durch Medikamente. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie dem Körper auch Schaden zufügen. Auswirkungen auf das Hormonsystem hängen stark von der aufgenommenen Menge ab, und die Dosierungen in Tierversuchen, bei denen Wirkungen aufgezeigt wurden, waren extrem hoch. Zudem lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen. Es ist im Übrigen nicht bewiesen, dass Parabene die Hautbarriere durchdringen können. Die Substanzen, die die britischen Forscher im Brustgewebe fanden, könnten genauso gut mit der Nahrung aufgenommen worden sein. Zu kritisieren an der betreffenden Studie ist ferner, dass das Ursache-Wirkungs-Prinzip verdreht wurde. Und es fehlt der Vergleich mit dem Gehalt an Parabenen in gesunden Zellen.   Zur abschließenden wissenschaftlichen Bewertung von Parabenen in Kosmetika müssen noch viele Aspekte abgeklärt werden. Wie gut werden Parabene über die Haut aufgenommen? Wieviel Parabene werden aus anderen Quellen wie Medikamenten oder Lebensmitteln absorbiert? Werden Parabene im Körper überhaupt eingelagert oder sogar zügig abgebaut? Wie groß ist ihr endokrines Disruptor-Potential? Auch fehlen bisher noch Langzeituntersuchungen über die Effekte im Körper. Solange also keine gegenteiligen gesicherten Erkenntnisse über negative Auswirkungen von Parabenen auf die Gesundheit vorliegen, gilt die „Unschuldsvermutung“. Diese Eischätzung wird bekräftigt von Untersuchungen des europäischen Wissenschaftsausschusses für Verbrauchersicherheit (SCCS), der Parabene innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Konzentrationsgrenzen ausdrücklich für gesundheitlich unbedenklich hält. Auch das BfR hat festgestellt: „Einen generellen Ersatz von Parabenen befürwortet das BfR nicht, weil diese Stoffe gut hautverträglich sind und im Gegensatz zu anderen Konservierungsmitteln ein geringes Allergierisiko bergen." Die Schwierigkeit bei der Konservierung besteht schließlich darin, das gesamte Spektrum von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen abzudecken und gleichzeitig hautverträglich zu bleiben. Parabene erfüllen diese Aufgaben, wobei kurzkettige Parabene besser gegen Bakterien und langkettige besser gegen Pilze wirken. Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW): „Um das ohne Parabene zu erreichen, müssten meist mehrere Substanzen kombiniert werden." Was ein höheres Risiko für Kontaktallergien bedeuten würde. Parabene sind nach heutigen Erkenntnissen also durchaus erste Wahl, wenn es um die Konservierung von Kosmetika geht. Zudem wird die Auswahl an möglichen Konservierungsmitteln immer geringer, so dass das Risiko, eine Kontaktallergie zu bekommen, immer stärker steigt.  

Mikroplastik in Kosmetika im Verruf – zu unrecht

Mikroplastik ist in Verruf. Zu recht. Aber Kosmetik ist nicht die Quelle der umfangreichen Weltmeer-Verschmutzungen.  

Wir haben ein weltweites Problem: Einzeln in Folie verpackte Gurken, jeder Salatkopf in einer Plastiktüte, Wurst und Käse in Kleinstportionen schön eingeschweißt im Supermarkt-Regal, Getränke in PET-Flaschen – und alles dann noch in einer Wegwerf-Einkaufstasche aus Kunststoff nach Hause getragen. Gebrauchsgegenstände aus Kunststoff sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Kunststoff ist überall, derzeit auch immer noch in Kosmetika. Dessen Entsorgung bereitet aber gigantische Probleme und so sind weite Teile des Meeres und auch des Festlandes bereits stark belastet, was wiederum die Gesundheit des Menschen beeinträchtigt. Sind auch Kunststoffbestandteile in Kosmetika massiv gesundheitsgefährdend?

plastic-631625_1920 Plastik ist nicht gleich Plastik Die sog. Mikroplastik steht derzeit im Fokus der Medien. Im Jahr 2016 wurde eine Studie der schwedischen Universität Uppsala veröffentlicht, aufgrund derer die Süddeutsche Zeitung damals titelte „Müll, der gefährliche Fressreize aussendet.“ Angeblich würden Fische Mikroplastik bewusst fressen. Doch es stellte sich heraus, dass die Studie erfunden war. Weiterhin hatte ein Medienhaus aus den USA 159 Wasserproben aus fünf Kontinenten auf Mikroplastik untersuchen lassen. Der „Focus“ schrieb dann „Leitungswasser enthält gefährliches Mikroplastik“, die „Welt“ behauptete gar „Trinkwasser ist weltweit mit Plastikfasern verseucht.“ Diese Aussagen wurden gemacht aufgrund des Ergebnisses der Studie, der zufolge in einem halben Liter Trinkwasser 1,9 Mikroteilchen schwimmen würden. Das Umweltbundesamt beurteilte die Studie jedoch als nicht glaubwürdig. Die Messwerte lägen im Bereich der üblichen Verunreinigungen aus der Luft. Das Thema Mikroplastik scheint aber ein gefundenes Fressen für die Medienbranche zu sein.
Mikroplastik_Stephan_Glinka - BUND

Mikroplastik, Foto Stephan Glinka BUND

Auch die Kosmetikbranche sieht sich zu diesem Thema Angriffen ausgesetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlichte im März 2017 sinngemäß: „Die synthetischen Polymere aus den Kosmetikprodukten gelangen über die lokalen Abwässer zu den Kläranlagen. Diese filtern Mikroplastik nur bedingt heraus; ein Teil wird im Klärschlamm zurückgehalten und der andere Teil gelangt in Meere und Flüsse. Des Weiteren wurden vor allem sehr kleine Partikel in Kläranlagenabläufen gefunden. Einmal im Meer angekommen, können diese Kunststoffe nicht mehr entfernt werden. Da Kunststoffe extrem beständig sind, können sie die Meere über hunderte Jahre belasten.“ Werden damit Kosmetikprodukte als Verursacher für die Belastung der Meere mit anderen Produkten gleichgesetzt? Definition Mikroplastik Zur Beurteilung muss man wissen: Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Mikroplastik, das primäre und das sekundäre Mikroplastik. Als primäres Mikroplastik werden so genannte Kunststoffpellets bezeichnet, die von der Industrie zur Weiterverarbeitung hergestellt werden. Feines Plastikgranulat und flüssiges Plastik werden in der Kosmetikproduktion verwendet. Zu finden ist Mikroplastik beispielsweise in Peelings oder als Massageperlen in Duschgels. Wasserlösliche (flüssige) Polymere zählen laut Definition des internationalen Meeresschutzes und des Blauen Engels nicht zur Mikroplastik. Sekundäres Mikroplastik entsteht wiederum beim Zerfall größerer Kunststoffteile durch die Einwirkung von Sonne, Wind und Wellen, durch Abnutzung von Reifen, Farben und Abrieb von Plastikoberflächen. BUND und Greenpeace entfernen sich jedoch in ihren Darstellungen von der vom Umweltamt unterstützten Definition von Mikroplastik und beziehen in ihre Beurteilung auch flüssige (wasserlösliche) Polymere mit ein. Nach Meinung von Experten unterscheiden sich Mikroplastik-Partikel und hydrophile Polymere grundsätzlich voneinander und müssen getrennt betrachtet werden. Sie differieren in Bezug auf Zersetzungsgeschwindigkeit, Schadstoffabsorption und Filterfähigkeit durch Kläranlagen. Kosmetika haben den kleinsten Anteil Tatsache ist: Mikroplastik wird in Organismen auf allen Stufen der marinen Nahrungskette gefunden. Der Gehalt variiert je nach Organismus und Ort. Und Studien weisen darauf hin, dass Mikroplastik in der Nahrungskette akkumuliert wird. Die Aufnahme von Mikroplastik durch Organismen kann zu gesundheitlichen Schäden bei Mensch und Tier führen. Toxische Stoffe können freigesetzt werden. Mikroplastik ist definitiv schädlich für Flora und Fauna und sollte vermieden werden. Doch wie kann vorhandenes Mikroplastik aus dem Wasser gefiltert werden? Mittels Kläranlagen, am effektivsten durch Einsatz einer zusätzlichen Schlussfiltration. Eine dänische Studie hat nachgewiesen, dass die Effektivität von Kläranlagen stark abhängig ist von der Größe der Partikel; die genaue Herkunft dieser Partikel sei nicht leicht zu bestimmen. Doch sicher ist, dass Kosmetika nicht die Hauptverursacher der Mikroplastikbelastung darstellen. Sie haben mit durchschnittlich 2 % (je nach Meeresregion) nachweislich den kleinsten Anteil in der Gesamtmenge. Untersuchungen von geklärtem Abwasser und Klärschlamm des Oldenburgischen-Ostfriesischen Wasserverbandes in 12 Kläranlagen ergaben, dass größtenteils regelmäßige folienartige Plastikpartikel gefunden wurden und nur selten runde Partikel, wie sie primäre Mikroplastik darstellen würden. Herausgefiltert wurden also überwiegend sekundäre Mikroplastikpartikel, die nicht in Kosmetika verwendet werden. Mehr Aufmerksamkeit für großen Plastikabfall Das Umweltbundesamt konstatiert: Mikroplastik, das in Peelings oder Duschgels eingesetzt wird, leistet einen mengenmäßig vergleichsweise geringen, gleichwohl unnötigen Beitrag zur Umweltverschmutzung. Danach werden vermutlich rund 500 Tonnen solcher primärer Mikropartikel aus Polyethylen, dem weltweit am häufigsten verwendeten Kunststoff, pro Jahr in Deutschland in kosmetischen Mitteln verwendet. Die mengenmäßig bedeutsamste Quelle für Mikroplastik im Meer ist aber die Zersetzung größerer Plastikteile – von der Plastiktüte bis zum Fischernetz, die durch Wind, Wasser und Gezeiten zu sekundärem Mikroplastik zermahlen werden. Weltweit werden pro Jahr rund 300 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt (Stand 2013). Es ist davon auszugehen, dass bis zu 30 Millionen Tonnen davon pro Jahr im Meer landen. Deshalb rät das Umweltbundesamt, sekundäre Mikroplastikpartikel stärker in den Fokus zu rücken. Pläne der Kosmetikindustrie Trotz des vergleichsweise geringen Anteils an der Gesamtbelastung hat die Kosmetikindustrie im Rahmen des vom Bundesumweltministerium mitinitiierten „Kosmetikdialogs“ zugesagt, Mikrokunststoffpartikel in Kosmetikprodukten bis 2020 durch alternative Stoffe zu ersetzen. Die Menge an festen, nicht abbaubaren Kunststoffpartikeln aus Polyethylen, die in abzuspülenden kosmetischen Produkten aufgrund ihres Reinigungs- und Peelingeffekts eingesetzt werden, hat sich laut einer Umfrage von Cosmetics Europe, dem europäischen Dachverband der Kosmetikhersteller, zwischen den Jahren 2012 und 2015 um 82 Prozent reduziert. Cosmetics Europe geht davon aus, dass der Verzicht der Kosmetikindustrie bereits vor dem Jahr 2020 vollzogen sein wird. In Zahnpasten werden feste Kunststoffpartikel bereits heute überhaupt nicht mehr eingesetzt. Übrigens: ICADA veröffentlicht auf der Website www.zertifizierte-naturkosmetik.eu eine Mikroplastik-Whitelist. Quelle: ICADA Fachtagung 23. November 2017