ICADA-Premium-Standard für Bio- und Naturkosmetik

Zertifizierte Bio- und Naturkosmetik erlaubt verschiedene Gruppen von
Rohstoffen:

1)Naturstoffe; ncs/natural complex substances
Substanzen aus der Natur (Pflanzen, eingeschränkt vom Tier,
biotechnologische Rohstoffe, mineralische/anorganische Substanzen.
2) Naturstoff-/ncs-Derivate
Aus Naturstoffen nach erlaubten Methoden hergestellte Substanzen
3)Parfum und Geschmacksstoffe nach ISO 9235
4) syntetische Stoffe mit definierten Verwendungserlaubnissen

1) Naturstoffe/ncs/natural complex substances
Naturstoffe werden als solche oder aus physikalischen Prozessen gewonnen
eingesetzt. Es werden 4 natürliche Quellen differenziert:

a) Pflanzliche Rohstoffe
Der Einsatz pflanzlicher Rohstoffe muss soweit möglich aus zertifiziertem
ökologischem
Ausgangsmaterial/Organic-Qualität/kontrolliert-biologischem Anbau (kbA)
bestehen. Die Pflicht wird geregelt durch eine Organic-Positivliste (Anlage 1 der
Richtlinie), deren Umfang sich nach
· Qualität
· Verfügbarkeit
· angemessener Preisgestaltung
richtet. Da nicht alle kosmetischen Rohstoffe aus den Pflanzen der Bio-
/Organic-Pflichtenliste in Organic-Qualität lieferbar sind, werden im
dokumentierten Fall spezielle kosmetische Rohstoffe ausgenommen. Der
Organic-Anteil wird nach dem verbandseigenen Organic-Berechnungsregel-SOP
(Anlage 2) bestimmt und kann als Organic-fähiger Anteil auf dem
Verpackungsetikett ausgewiesen werden. Nach der gleichen
Berechnungsmethode kann der Anteil natürlicher Bestandteile ohne Organic-
Qualität (alle Rohstoffe der Gruppe 1) ermittelt und auf der Verpackung
angegeben werden
Alternativ ist die Verwendung von Pflanzenmaterial aus zertifizierter
Wildsammlung gestattet. Nur Pflanzenmaterial, das nicht aus den so
definierten Quellen zu Verfügung steht, darf aus konventionellem Anbau
eingesetzt werden.

b) Tierische Rohstoffe
Der Einsatz von Stoffen, die traditionell von lebenden Tieren für den
menschlichen Genuss oder die Nutzung produziert werden (z.B. Milch, Honig,
Seide) ist gestattet. Der Einsatz von Rohstoffen aus toten Wirbeltieren (z.B.
Emuöl, Nerzöl, Murmeltierfett, tierische Fette, Collagen und Frischzellen) ist
nicht gestattet.

Tierversuche
Rohstoffe, die vor dem 01.01.1998 noch nicht in der Kosmetikindustrie
eingesetzt wurden, dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie nicht im
Tierversuch getestet worden sind. Gesetzliche Anforderung wie durch REACH
oder Veranlassung durch Dritte, zu denen keine geschäftliche Beziehung
besteht, bleiben dabei unberücksichtigt.

c) biotechnologisch hergestellte Kosmetikrohstoffe
Da Mikroorganismen ebenso Bestandteile der Natur wie Pflanzen und Tiere
sind, sind auch deren Stoffwechselprodukte und Bestandteile für den Einsatz
in Organic- und Naturkosmetik erlaubt. Verboten ist die Einbeziehung von
GMO in die biotechnologische Kosmetikrohstoffherstellung.

d) Mineralische und anorganische Stoffe
Mineralien jedweder Form sind Bestandteil der Natur und daher erlaubt. Die
Entstehung anorganischer Salze, Säuren und Laugen (z.B. Natriumchlorid,
Magnesiumsulfat...) entspricht den Vorgängen in der Natur und ist ebenfalls
erlaubt.

2)Naturstoff-/ncs-Derivate
Zur Herstellung von Naturkosmetik dürfen auch naturnahe Rohstoffe
eingesetzt werden, die aus Naturstoffen/ncs hergestellt werden. Optimal ist der
Einsatz von Organic-Rohstoffen als Ausgangsrohstoff. Eine Zusammenstellung
erfolgt nach Stand der Technik in Anlage 4. Dazu erlaubte Herstellverfahren
sind Hydrolyse, Hydrierung, Veresterung auch mit anorganischen Säuren
(Ausnahme: Halogen-Wasserstoff-Säuren), Redoxvorgänge, sonstigen
Spaltungen und Kondensationsreaktionen. Über die Umweltverträglichkeit
dieser Stoffe sind vorhandene Unterlagen in der Produktdokumentation zu
sammeln. Naturidentische Stoffe nach diesen Verfahren sind dann erlaubt,
wenn die Natur als Quelle für Ausgangsmaterialien nicht ausreicht.

3) Duft- und Geschmacksstoffe
Zulassungskriterium für natürliche Duft- und Geschmacksstoffe ist die ISONorm
9235. Darüber hinaus sind aus Verfahren auf natürlichen Vorgängen
basierend wie biotechnologische Herstellung gewonnene Duft- und
Geschmacksstoffe für den Einsatz erlaubt.

4) synthetische Stoffe mit definierten Verwendungserlaubnissen

Der Verbraucher erwartet mit Recht auch von Bio- und Naturkosmetik
mikrobiologisch einwandfreie Qualität. Dazu können die folgenden
naturidentischen Konservierungsmittel
verwendet werden:
– Benzoesäure und ihre Salze und Ethyester
– Sorbinsäure und ihre Salze
– Ameisensäure
– Salicylsäure und ihre Salze
– Propionsäure und Ihre Salze
– Benzylalkohol
– Dehydracetsäure und ihre Salze
Beim Einsatz dieser Konservierungsstoffe ist der Zusatz: "Konserviert mit
...[Name des Konservierungsstoffes]" erforderlich.

Bio- und Naturkosmetik verzichtet bewusst auf:

a) nicht mit dem Naturgedanken kompatible Rohstoffgruppen
• organisch-synthetische Farbstoffe
• synthetische Duftstoffe
• ethoxylierte Rohstoffe
• Kontaminationen in erheblich höherer als in der Natur vorkommender
Relation. Als Kontamination gelten nicht die KVO §1 Satz 2 geregelten
Stoffe
• Silikone
• Halogen-organische Verbindungen und Zwischenstufen
• Erzeugnisse der Petrochemie wie Paraffinöl und –Wachse
• Rohstoffe, über deren Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit nichts
bekannt ist
• Lösungsmittel, außer Wasser, Ethanol aus pflanzlichen Rohstoffen,
Pflanzenöle, Pflanzenfette, Glycerin aus pflanzlichen Rohstoffen,
Kohlendioxyd und für die Extraktion definierter Naturstoffe notwendige
andere Lösungsmittel, wenn diese anschließend aus den definierten
Naturstoffen entfernt werden.
• pflanzliche oder tierische Materialien unter Naturschutz
• ohne Nachverfolgbarkeit in Lagerung und Produktion
• Reinigungs- und Hygienematerial, das nicht der natürlichen Arbeitsweise
entspricht

b) radioaktive Bestrahlung
Eine Keimverminderung von Naturstoffen/NCS (Ausnahme: Mineralien) oder
kosmetischen Endprodukten durch radioaktive Bestrahlung ist nicht gestattet.

c) Natur-abträgliche Verpackungen
aufwendige Verpackung, einmal verwendbare Verpackung, nicht
wiederverwendbare Verpackungsmaterialien, halogenierte Kunststoffe,
Druckgasverpackungen sind zu vermeiden

Kontrolle
Die Überprüfung der Einhaltung oben aufgeführter Kriterien für kosmetische
Produkte und eingesetzte Rohstoffe wird durch unabhängige Prüfinstitute
gewährleistet. Die Einhaltung der
Kriterien wird durch ein Bio- und Naturkosmetik-Zeichen auf den
Kosmetikverpackungen und Rohstoffbehältnissen sichtbar gemacht. Die
Kennzeichnung beschränkt sich auf ein einziges Label mit allen Aussagen zum
Standard und Bio-Anteil. Eine Aussage über den Bio-Anteil ist optional und
kann in Prozentanteilen und/oder durch Sternchenmarkierung innerhalb der
INCI-Deklaration erfolgen. Das Zertifizierungsunternehmen muss nicht auf der
Verpackung genannt werden.

Richtlinien-Applikation
Bio- und Naturkosmetik-Produkte gemäß dieser Richtlinie müssen
selbstverständlich alle europäischen und zusätzlichen nationalen
Gesetzesvorgaben wie

- ( EU-Kosmetikrichtlinie European Directive 76/768/EEC bis 2013)
- EU REACH Gesetzgebung – Regulation n° 1907/2006,
- EU Öko-Verordnung – Regulation n° 834/2007
- Kosmetikverordnung 1223-2009

erfüllen. Die konkreten Anwendung der ICADA-Richtlinie in kosmetischen
Produkten und bei der Rohstoffherstellung wird in Detailfragen durch eine
SOP/ein Handbuch geregelt.

„Global ethics“ Kriterien werden nach Dokumentation und Beschluss Pflicht für
diese Richtlinie und dann in Anlage 3 gelistet. Derzeit stehen folgende Punkte
zur Diskussion

GMO-Freiheit,
Abfallmanagement,
Fair Trade, 3-Welt-Projekte,
Verpackungsdefinitionen,
Lösungsmittelvermeidung,
Katalysatoreinschränkung,
soziale Arbeitsbedingungen,
Umweltmanagment,
zertifizierte Nachhaltigkeit,
Organic-NCS-Derivate-Pflicht,
Abbaubarkeit nach OECD 301 A-F
Green chemistry-Regeln
Kohlendioxyd-Bilanzen
Transportaufwand/Regionalität
Energieausbeute
Wasserverbrauch
Resourcenbewusstsein (Mica, Talk, Zink..)
uvm.

Diese Auflistung und die Anlage 3 werden, sobald es der jeweilige technische
Stand erlaubt, um die entsprechenden Positionen erweitert.

Die Nutzung dieses Zeichens ist nur Naturkosmetik-Firmen mit entsprechender
Voraussetzung vorbehalten. Die Zulassung von Naturkosmetik-Firmen zur
Zeichennutzung ist eingeschränkt und wird durch verbandsinterne
vertraglicher Regelungen sichergestellt.

Anlagen zur ICADA-Naturkosmetik-Norm

ICADA arbeitet vollkommen transparent und legt Ihnen alle gewünschten Unterlagen zur Norm für Bio- und Naturkosmetik wie

  • ICADA-Positiv-Liste
  • kbA-Pflicht
  • kbA-Anteil-Kalkulation
    offen. Wir erwarten im Gegenzug aber auch Transparenz und möchten wissen, wer Einsicht in unsere Unterlagen nimmt. Sie erhalten daher alle gewünschten Unterlagen auf Anfrage über mail(at)icada.eu

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